Abbilder des Bedrohlichen

ABBILDER DES BEDROHLICHEN

Florian Schaumberger zählt zu den wenigen österreichischen Bildhauern, die in der Tradition der klassischen Eisen- und Stahlskulptur stehen. In Wien ist er mit mehreren Großplastiken an exponierten Orten präsent und ab 25. 2. sind kleinere Arbeiten des Wahlwaldviertlers im Rahmen einer Ausstellung zu sehen.

TEXT: GUSTAV SCHÖRGHOFER UND ANNA HOHMANN FOTOS: ANDREA PELLER

Es ist ein krasser Gegensatz, der den Besucher in und um das Waldviertler Atelier von Florian Schaumberger empfängt. Draußen ein Stück Natur von, so scheint es auf den ersten Blick, seltener Harmonie. Apfelbäume, die sich im Jahreslauf von ihrer zartweißen Blütenpracht bis zur üppigen Ernte des Spätsommers wandeln, eine alte Thayamühle mit bauernbarocken Giebeln, ein malerischer Flusslauf, Wiesen voller Vielfalt, dunkler Wald. Drinnen, in der Werkstatt, die in einer ehemaligen Scheune eingerichtet wurde, regieren andere Elemente: Feuer, Eisen, Stahl. Schwere Hammerschläge klingen dann durch die Idylle, untermalt vom surrenden Gebläse der lodernden Schmiede.

Das Waldviertel ist dem gebürtigen Wiener Florian Schaumberger Heimat geworden. Oder war es eigentlich bereits immer. Als er hier als Kind mit seiner Familie jeden Sommer und jede freie Minuten verbrachte – ein unbeobachteter Jäger und Sammler zwischen Thayaufer und freundlichem Mischwald, Uhu- Felsen, Fuchsbau oder dem Nistplatz der Wasseramsel.

Die enge Beziehung zur Natur und damit zu einem Stück Lebensraum mitsamt Bewohnern, die lange vor uns hier sesshaft waren, reicht in Schaumbergers Leben weit zurück. Und gründet auf der Position eines staunenden, zurückgenommenen Beobachters. Der nicht plump genießen oder nutzen will, sondern eine Ausgewogenheit bewahren und beschützen, die wohl am besten ohne menschliches Zutun gedeiht.

Diese Einstellung ist dem mittlerweile auch Nebenerwerbs-Biolandwirt Schaumberger bis heute tiefe Überzeugung. Und kann, nebenbei bemerkt, auch nicht durch Unbilden, die die Idylle zeitweise mit sich bringt, getrübt werden. Drei große Hochwasser überzogen in den letzten Jahren das Tal mit vernichtenden Wassermassen und Schlamm. Aber vielleicht sind es Erlebnisse wie diese, unmittelbar erlebte grausame Veränderungen im sensiblen Gleichgewicht der Natur, die den Blick des Künstlers – auch in Bezug auf die von ihm gestalteten Objekte – so geschärft haben.

Ausbildung & frühe Werke

Das Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei dem kürzlich verstorbenen Professor Joannis Avramidis (siehe dazu Seite 48) hat Florian Schaum- berger zweifelsohne geprägt. Als eine mögliche Anknüpfung für das, was er später weiterentwickelt hat, können dabei vielleicht die Bandfiguren von Avramidis betrachtet werden. Diese Skulpturen werden aus im Querschnitt quadratischen Metallbändern geformt. Sie erlauben eine Dynamisierung der statischen Gestalt. Und während die Figuren von Avramidis auf eine kreative Ebene bezogen sind, stellen jene von Schaumberger Bündelungen im Raum dar. Die Figur wird bewegt, greift aus. Das Bewegte, Dynamische, Ausgreifende ist typisch für Schaumbergers Plastiken.

Immer waren und sind es Figuren, die von Florian Schaumberger gestaltet werden, selbst dann, wenn diese Gestalten keinen Körperbau nachahmen. Sie stellen Haltungen dar oder Verhaltensweisen und bleiben nie im Spiel abstrakter Formen stecken. Alles Ironische ist diesen Gestalten fremd. Sie sind nicht witzig, schon gar nicht zynisch. Und selbst im kleinen Format haben sie etwas Monumentales.

Auf das folgende Bild klicken um das PDF zu öffnen